Elena erzählt: Japanologie studieren? Das sollte man beachten

Asakusa-Schrein in Tokio

Japanologie klingt cool und exotisch als Studienfach. Allerdings sollte man sich vor dem Studium darüber klar werden, was einen eigentlich erwartet.

Falls ihr euch gerade wundert, weil ihr hier erst kürzlich einen Beitrag über mein Fernstudium Game Art & Animation gelesen habt: Ja, ich studiere auch Japanologie. Und zwar seit zwei Semestern. Das ist natürlich noch nicht sonderlich lang, weshalb ihr diesen Artikel eher als Zwischenfazit sehen solltet.

Allerdings bekommt man gerade bei Japanologie schon früh einen recht guten Eindruck, weil die Dozenten schon von Anfang an mit beliebten Klischees aufräumen wollen. Japanologie ist nicht einfach, es ist kein reines Studium für Manga-Fans und es ist auch kein lockerflockiges Nebenbei-Studium.

Japanologie ist eine Kulturwissenschaft, in der ihr euch nicht nur mit der Sprache, sondern auch dem Land, seiner Kultur, Wirtschaft, Politik und so weiter auseinandersetzt. Dementsprechend umfangreich und vielseitig fällt das Studium aus.

Ich möchte in diesem Artikel einen groben Überblick darüber geben, was euch im Japanologie-Studium erwartet und wer dafür vielleicht eher geeignet ist.

Ein Beispiel für einen Japanologie-Studiengang: Bachelor Japanologie an der LMU München

In Tokio gibt es viele schöne und große Parks in denen man der stressigen Stadt entfliehen kann.

Warum studiere ich Japanologie?

Bei mir war es so, dass ich nach dem Abi eigentlich nur praktische Dinge gemacht habe, wenn man meine angefangenen Studiengänge (Jura und Medieninformatik) nicht mitzählt. Nach meiner Ausbildung zur Kommunikationsdesignerin und meiner Zeit in der GameStar-Redaktion wollte ich gerne noch mein theoretisches Wissen erweitern.

Nachdem ich mir einige Studiengänge angeschaut hatte (Literaturwissenschaften, Archäologie und Philosophie) fiel meine Wahl auf Japanologie. Ich hatte immer schon ein großes Interesse an Japan, das über Anime und Manga (die ich trotzdem gerne mag) hinausging. Unter anderem, weil mein Vater oft beruflich dort war und auch ein halbes Jahr dort gelebt hat.

Nach der Schule waren wir auch gemeinsam in Japan, sodass ich mir schon einmal ein Bild davon machen konnte, ob Japan wirklich so ist, wie ich mir das vorgestellt habe oder ich das Land an sich vielleicht gar nicht so toll finde, wie ich immer dachte – doch, finde ich, puh.

Außerdem habe ich vorletztes Jahr angefangen, die Sprache im Rahmen von Kursen für Nicht-Japanologen zu lernen. Da dachte ich mir, ich gebe dem Studienfach einfach eine Chance.

Japan begleitet mich schon seit meiner Kindheit, obwohl ich erst mit 18 das erste Mal dort war.

Was sollte man vorher beachten?

Die Tipps, die ich hier geben sind natürlich subjektiv. Sie beruhen auf meinen Erfahrungen und denen meiner Studienkollegen. War es bei euch anders oder habt ihr andere wertvolle Ratschläge? Schreibt sie gerne in die Kommentare

Kein leichtes Studium

Gerade Geistes- oder Kulturwissenschaften haben im Vergleich zu den Naturwissenschaften gerne mal den Ruf, ein leichtes Studium zu sein. Man muss nur ein paar Texte lesen, bisschen anwesend sein und diskutieren und schon hat man einen Abschluss.

Das trifft höchstens in dem Fall zu, wenn man sein Studium auf die leichte Schulter nimmt. Mit den entsprechenden Noten oder eben keinem Abschluss bekommt man dann die Quittung. Oder man kommt vielleicht sogar durch, hat aber letztlich nicht viel aus seinem Studium gelernt und hätte die Zeit besser investieren können.

Bei Japanologie kommt aber noch hinzu, das man eben eine komplexe Sprache lernen muss, die so gut wie nichts mit Deutsch, Englisch oder den meisten anderen üblichen Schulsprachen gemein hat. In der Regel muss man also ganz von vorne beginnen.

Schwierige Sprache, steile Lernkurve

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man schnell abgehängt werden kann, weil das Studium die Schwierigkeit schon nach einem Semester extrem anzieht. Zu Beginn des zweiten Semesters haben bei mir bereits über die Hälfte der Studenten abgebrochen, auch viele Freunde von mir.

Bei denen lag es teilweise daran, dass sie zum Beispiel mit dem Lernen der Kanji einfach nicht hinterherkamen oder es ihnen generell zu anstrengend war, sich mit der Sprache und dann auch noch der Kultur auseinanderzusetzen.

Es empfiehlt sich also von Anfang an mitzulernen und auch im Unterricht anwesend zu sein. Sonst kommt man kaum an die nötige Sprachpraxis, die später bei mündlichen Prüfungen erwartet wird. Manche Studenten suchen sich auch früh einen Tandempartner oder besuchen Sprachstammtische, was auch eine gute Übungsmöglichkeit ist.

Einfach abbrechen?

Abbrechen ist übrigens keine Schande. Ich habe das selbst auch schon zweimal hinter mir. Ist ein Studium nichts für euch und ihr merkt das, solltet ihr so früh wie möglich die Reißleine ziehen. Sonst verliert ihr zu viel Zeit und Nerven an etwas, das überhaupt nicht zu euch passt.

Allerdings sollte man sich schon sicher sein und nicht einfach aufgeben, nur weil es mal anstrengender wird. Bei viele Studiengängen sind die anfänglichen Grundlagen langweilig, oft wird es später aber interessanter. Schaut euch also auch die Inhalte an, die nach den ersten Semestern auf euch zukommen, bevor ihr euch entscheidet oder besucht eine Fachstudienberatung

Mich persönlich fasziniert an Japan sehr der überall präsente Kontrast von Tradition und Fortschritt.

Hoher Zeitaufwand

Der Anspruch lässt das schon vermuten, aber Japanologie ist auch zeitlich kein entspanntes Studium. Das habe ich selbst etwas unterschätzt. Mit der Arbeit und meinem Game-Studium komme ich oft in zeitliche Bedrängnis, weshalb dann meine Freizeit draufgeht.

Das ist zwar trotzdem machbar, aber ärgerlich und nicht jedermanns Sache. Wer gerne noch Zeit für Freunde, Familie oder Hobbys hat (leises Weinen), sollte schauen, dass er sich nicht übernimmt.

Der zeitliche Aufwand kommt daher, dass ihr regelmäßig Vokabeln, Schriftzeichen und Grammatik lernen müsst. Bei mir wird das durch 14 Stunden in der Woche abgedeckt – zehn Stunden Sprachunterricht, zwei Stunden Kanji, zwei Stunden Grammatik.

40 Stunden Woche

Anwesenheitspflicht gibt es nicht, aber wie oben erwähnt, sollte man hingehen. Hinzu kommen in meinem Fall dann noch eine Vorlesung rund um Geschichte und Kultur Japans, sowie eine Übung dazu, in der eine Hausarbeit verfasst wird. Zusätzlich zum Üben der Sprache in der Freizeit muss man also auch noch eine Menge an Texten lesen.

An meiner Uni wird auch noch ein Nebenfach vorausgesetzt, das ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt. Insgesamt werden für das Studium von der Uni 40 Stunden die Woche eingeplant. Ich komme schätzungsweise auf 20 bis 30, je nach Woche. Durch meine zusätzlichen Verpflichtungen muss ich in Kauf nehmen, das eine oder andere zu verpasse

Nicht nur Sprache

Wollt ihr nur die Sprache lernen, ist Japanologie womöglich nicht das richtige Fach. Denn das umfasst eben noch viel mehr. Interessiert euch das nicht, verschwendet ihr nur unnötig Zeit und solltet vielleicht über Alternativen wie einen Sprachkurs nachdenken. Die kann man an vielen Unis auch kostenlos besuchen, wenn man ein ganz anderes Fach studiert.

Für Nicht-Studenten gibt es außerdem Angebote an Volkshochschulen. Oder man sucht sich eine private Sprachschule, die Kurse und Auslandsaufenthalte in Japan anbietet.

Ich war mir vorher nicht sicher, ob mich Japan wirklich als Land so sehr interessiert. Bei den Vorlesungen wurde ich aber positiv überrascht. Seitdem verschlinge ich alles, was ich zur japanischen Geschichte und Kultur finden kann. Es lohnt sich also vielleicht, dem Ganzen eine Chance zu geben, auch wenn man sich vorher noch nicht damit beschäftigt hat.

Geschichte und Kultur sind auch ein wichtiger Teil des Japanologie-Studiums.

Mehr als Anime und Manga

Das ist ein beliebtes Klischee. Allerdings gibt es wirklich Menschen, die Japanologie nur studieren wollen, weil sie Naruto-Fan sind oder gerne One-Piece-Charaktere cosplayen. Das ist auch überhaupt nicht schlimm. Schließlich geht damit in der Regel ja auch ein großes Interesse am Land und der Kultur einher. Ich war auch Manga-Fan bevor mich Japan als solches interessiert hat.

Gefährlich wird es nur, wenn das wirklich das Einzige ist, das einen an Japan interessiert. Erwartet man ein Manga-Studium mit bisschen Japanisch, wird man enttäuscht. Manga oder Anime finden als Teil der japanischen Kultur hier und da Erwähnung, aber gerade zu Beginn des Studiums spielen sie keine große Rolle.

Erst deutlich später gegen Ende des Bachelor-Studiums oder im Master kann man sich zum Beispiel in Form von Hausarbeiten damit auseinandersetzen. Ganz falsch ist man als Manga-Fan also nicht, man sollte nur eben den ganzen Rest „ertragen“ können

In Tokio habe ich auch das Monster-Hunter-Café besucht, inklusive Palico!

Anime-Review zu Wotakoi: Mehr als nur Nerd-Klischees

Japanisch allein reicht vielleicht nicht

Mit einem Japanologie-Studium könnt ihr wie mit jedem anderen Studium auch (oder auch ohne) einen Job finden. Vielleicht sogar mit Japan-Bezug. Sonst bieten sich zum Beispiel viele Medien- oder Kommunikationsberufe an, wo oft kein Studium oder nur irgendein Studium gefordert ist.

Ich habe zum Beispiel mal ein Praktikum beim TV-Sender Prosieben gemacht, wo mir gesagt wurde, dass ein Studium an sich gerne gesehen ist, welches aber keine Rolle spielt.

Ihr müsst also nicht unbedingt mehr als Japanologie machen. Allerdings bietet es sich an, das Studium als Zusatzqualifikation zu sehen. Will man in einer japanischen Firma arbeiten und kann Japanisch, ist das gut.

Um wirkliche Aufstiegschancen zu haben oder einen gut bezahlten Job zu bekommen, sollte man aber noch über weitere Ausbildungsmöglichkeiten nachdenken, die zur Japanologie passen.

Noch mehr Sprachen, BWL oder Informatik?

Ich persönlich sehe das Studium einfach als zusätzliche Qualifikation, die mir in meiner Arbeit als Journalistin oder Künstlerin nützt, um internationaler zu arbeiten.

Viele meiner Kommilitonen lernen aber zum Beispiel noch weitere asiatische Sprachen wie Chinesisch oder Koreanisch, um hier zu Experten zu werden. Andere wollen noch etwas mit Wirtschaft oder IT studieren, damit sie für Firmen attraktiver sind.

Überraschend wenige wollen tatsächlich als Japanologen arbeiten. Das liegt in so frühen Semestern aber vermutlich auch daran, dass man sich einfach noch nicht viele Stellen dafür vorstellen kann.

Japaner sind auch nur Menschen

Das klingt vielleicht etwas seltsam, aber einige Japanologie-Studenten idealisieren Japan und Japaner. Manche stellen sie sich wie in Animes vor, für andere sind sie einfach nur unglaublich niedlich und cool oder irgendwie über alles erhaben.

Aber Japaner sind genauso wenig erhaben wie wir. Es stimmt, dass ihre Kultur stellenweise so funktioniert, dass man weniger Emotionen in der Öffentlichkeit zeigt oder nur die, die gerade angebracht sind. Dadurch wirken Japaner gerne sehr kontrolliert, extrem höflich oder eben auch unnahbar. Das ist eben eine Fassade, genauso, wie wir sie auch manchmal zur Schau tragen.

Darunter stecken allerdings ganz normale Menschen, die sich auch mal ärgern oder freuen oder in der Rush Hour doch mal in der U-Bahn drängeln, Höflichkeit hin oder her. Wichtig für das Studium ist also, dass man sich ehrlich mit Japan und Japanern auseinandersetzt und diese auch ganz normal ohne Vorurteile als Menschen kennenlernt. Solche „positiven“ Vorurteile können nämlich genauso einschränkend sein wie negative

Auch in Japan ist nicht immer alles heile Welt.

In Japan leben

Um Japan wirlich kennen und verstehen zu lernen, sollte man auch einmal länger dort gewesen sein. Das hat mir mein Japanisch-Lehrer schon recht früh im Studium geraten. Ich denke, er hat recht.

Wer schon in Japan war, weiß, was ich meine: Egal, wie viel man darüber weiß oder glaubt zu wissen, es ist immer ein Kultur-Schock. Japan funktioniert in so vielen Dingen anders als Deutschland, sieht anders aus, fühlt sich anders an.

Mit der Zeit entdeckt man zwar viele Gemeinsamkeiten und gewöhnt sich an Vieles, dafür braucht es aber eben auch viel Zeit und Berührungspunkte mit dem Alltag der Japaner, fernab von Tourismus und Sightseeing.

Alltag statt Tourismus

Ich selbst war nur als Urlauberin in Japan, kenne über meinen Vater aber Japaner, die mich bereitwillig bei sich aufgenommen haben. Bei ihnen zu leben und mit ihnen Städte wie Tokio, Kyoto, Osaka oder Kamakura zu besichtigen, hat mir viele neue, spannende Blickwinkel aufgezeigt.

Ich habe Speisen probiert, die man als Tourist allein vielleicht nicht bestellt, gelernt, wie man richtig in buddhistischen Tempeln betet, eine japanische Uni besucht, in einer japanischen Studentenbude übernachtet, Erdbeeren gepflückt oder an einem Sake-Tasting teilgenommen – teilweise übrigens auch auf meinem zweiten Trip im März diesen Jahres.

Nach diesen Erfahrungen kann ich mir gut vorstellen noch mehr in den japanischen Alltag einzutauchen und länger in Japan zu leben. Selbst ein halbes Jahr oder ein Jahr sind aber eine lange Zeit. Deshalb sollte man sich vorher gründlich überlegen, ob man das möchte. Auch ich bin mir nicht sicher, weil ich noch nie solange in einem anderen Land war.

Okonomiyaki habe ich das erste Mal in Japan probiert und bin seitdem verliebt.

Lost in Japan?

Gerade Japan ist eben keinen Katzensprung entfernt und konfrontiert den ein oder anderen sicher mit vielen Fragen, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten soll. Auch wenn es nur um scheinbar banale Dinge wie die richtigen Schuhe oder das korrekte Verhalten beim Essen geht.

Geht man zusammen mit anderen nach Japan, besteht aber wiederum die Gefahr, dass man nur Deutsch redet und sich abkapselt. Freunde können einem Sicherheit geben, aber eben auch den Wert des Trips mindern, wenn man dann keine japanischen Bekanntschaften schließt und Japanisch als Sprache meidet so gut es geht.

Tatsächlich kommt man mit Englisch nämlich recht weit. Viele Japaner können zwar kein Englisch, in Restaurants gibt es aber fast immer englische Karten und auch sonst kann man sich in Läden meist irgendwie verständlich machen.

Wenn Japan, dann auch Japanisch

Hinzu kommt, dass in großen Städten neben den Schriftzeichen auch fast immer noch die Buchstaben-Umschreibungen auf Schildern stehen. Hat man dann noch Google Maps im Gepäck, gibt es eigentlich fast keinen Grund, Japanisch zu sprechen.

Solltet ihr also länger nach Japan gehen, müsst ihr vielleicht euren inneren Schweinehund überwinden. Spricht man aber einmal (egal, wir dumm es klingt und wie viele Fehler man macht), wird es immer einfacher. Diese Erfahrung habe ich schon nach wenigen Wochen gemacht.

Wollt ihr nicht länger nach Japan gehen, müsst ihr das im Rahmen des Studiums aber nicht. Niemand zwingt euch. Alternativ kann man auch das auch während des Jobs nachholen oder einfach so die Sprache und die Kultur kennenlernen. Schließlich ist es auch nicht verwerflich, das nur zu tun, um später seine Lieblingsserie auf Japanisch schauen zu können.

Ich hoffe mein (bisheriger) persönlicher Eindruck zum Japanisch-Studium konnte euch weiterhelfen und vielleicht die Studienwahl erleichtern.

Von diesem Garten konnte ich nur ein schnelles Foto erhaschen, bevor wir rausgeschmissen wurden…

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Über Elena Schulz

Freiberufliche Journalistin und Künstlerin. Liebt Dinosaurier, den Weltraum, Batgirl, das Meer und alles was mit Videospielen zu tun hat. Eigentlich immer ein bisschen verwirrt.

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