Elena erzählt: Game Art als Fernstudium – lohnt sich das?

Ich studiere seit einem Jahr Game Art in Toronto – ohne je dort gewesen zu sein. Hier möchte ich von meinen Erfahrungen mit einem Fernstudium berichten.

Game Design oder Game Art sind für viele Traum-Studiengänge. Schließlich studiert man hier etwas, das für die meisten ein Hobby darstellt. Man spielt nicht nur, sondern blickt hinter die Kulissen, um selbst irgendwann Spiele zu entwickeln. Vielleicht wirkt man irgendwann an großen Reihen wie The Witcher oder Assassin’s Creed mit oder zieht sein eigenes kleines Indie-Studio hoch.

Das klingt verlockend, lässt sich aber nicht immer unbedingt einfach angehen. Klar, zunächst braucht es mal ordentlich Biss und Können, um in dem Bereich erfolgreich zu sein – wie fast überall. Allerdings stellt sich vorher schon die Frage, wie man überhaupt an einen Game-Job kommt.

Hier gibt es einige Möglichkeiten: Man kann es zum Beispiel als Quereinsteiger probieren, sich das nötige Können im Selbststudium aneigenen oder eben etwas mit Gaming studieren – so wie in meinem Fall. In diesem Artikel gebe ich einen kurzen Einblick in mein Game-Art-Studium an der Toronto Film School, wie ich dazu gekommen bin und ob ich ein Fernstudium dieser Art empfehlen würde.

An Spielen wie Horizon: Zero Dawn zu arbeiten, ist für viele ein scheinbar unerreichbarer Traum.

Warum ein Fernstudium?

Warum ich nicht hier in Deutschland studiere, hat unterschiedliche Gründe. Zum einen ist das das Geld: Die meisten Unis hierzulande, die Game Design oder Game Art anbieten, sind privat. Das heißt, sie verlangen oft hohe Summen für ein Studium dort. Die Gebühren langen teilweise bei 40.000 Euro für drei Jahre Bachelor, was mir einfach viel zu teuer war.

Es gibt vereinzelte kostenlose Angebote: Zum Beispiel Game Design an der HTW Berlin oder Games Engineering an der TU München. Allerdings war mir ersteres zu weit weg und letzteres zu technisch-mathematisch. Deshalb hatte ich mich eigentlich schon darauf eingestellt, es über Fortbildungen zu meiner Ausbildung als Kommunikationsdesignerin zu versuchen.

Durch spontanes Googlen bin ich dann aber überraschend auf eine andere Möglichkeit gestoßen: Tatsächlich gibt es so einige Fernstudiengänge rund ums Gaming, die teilweise auch deutlich preiswerter daherkommen. Für zwei Jahre zahle ich an meiner Fern-Uni 12.000 Euro, was immer noch teuer ist, aber für mich durch meine Arbeit selbst finanzierbar.

Kaum hatte ich online Material zum Studium angefordert, hatte ich auch schon einen Anruf aus Kanada (von Studienberater Aaron genauer gesagt, hallo Aaron!) und war wenige Wochen später eingeschrieben.

Das klingt ein wenig nach zwielichtiger Abzockermasche, deshalb ein kleiner Hinweis: Zahlt nie irgendwas im voraus und überprüft genau, ob es die Uni wirklich gibt, an der ihr euch einschreiben wollt. In diesem Fall musste ich zunächst nichts bezahlen und eine zusätzliche Google-Recherche nahm mir meine restlichen anfänglichen Bedenken.

Auch ob eine Bewerbung samt Mappe verlangt wird, kann ein wichtiger Hinweis sein, ob hier auf die Qualität geschaut wird. Bei mir war das nicht der Fall, was mich etwas nervös machte. Allerdings überraschten mich später der Anspruch und die Vielfalt der Studieninhalte sehr positiv.

Mein 3D-Modell zu WALL-E war zum Beispiel eine Studienaufgabe.

Studieren wie auf Youtube

Immer wenn ich von meinem Studium erzähle, ernte ich zunächst leicht verwirrte Blicke. „Ach ja… toll! Und wie machst du das dann? Über das Internet?“ Auch wenn das Internet heutzutage so ziemlich alles durchzieht, sorgt ein reines Fernstudium noch für Stirnrunzeln.

Nicht jeder kann sich sofort vorstellen, wie so etwas abläuft. Schließlich kennt man die Uni von der eigenen Studienzeit oder aus Medien etwas anders. Man stellt sich Vorlesungssäle vor, gemeinsame Lern- und Trinkabende oder zumindest junge Menschen mit Mappen und Coffee-To-Go in zu vollen U-Bahnen.

Für mich läuft die Uni (zumindest teilweise – ich studiere noch Japanologie an einer regulären Uni) etwas anders ab. Statt in die U-Bahn zu steigen, fahre ich meinen Rechner hoch und wühle mich online zu meinen Video-Lektionen durch, die meine Vorlesungen ersetzen. Ja, mein Studium besteht also zum Großteil aus besseren „Youtube-Tutorials“.

Zum Weiterlesen: Elena erzählt – „Du machst das doch aus Leidenschaft!“

Flexibler Stundenplan

Mein Studiengang heißt Game Art & Animation, dauert ingesamt zwei Jahre und nutzt (wie viele andere Studiengänge zusätzlich) Moodle als Plattform. Hier bin ich für jedes Trimester (also drei Monate statt sechs) in unterschiedliche Kurse eingeschrieben. Über die letzten Monate hinweg waren es zum Beispiel Game Modeling 2, Game Production und Texturing 1.

Die einzelnen Kurse sind wiederum in Wochen unterteilt. Jede Woche bringt eine neue Lektion mit. Meist jede zweite oder dritte Lektion folgt ein Assignment, das benotet wird und als Prüfung fungiert. Am Ende setzt sich daraus meine Gesamtnote zusammen. Ich musste beispielsweise ein Level in der Unreal 4 mit eigenen Assets bauen, ein Asset komplett texturieren oder einen Produktionsplan für mein eigenes Spiel schreiben

Zusätzlich gibt es jede Woche Diskussionen zu Gaming- und Design-Themen mit den Professoren und anderen Studenten, die neue Perspektiven eröffnen sollen. Pro Trimester sind meistens drei Kurse vorgesehen. Ist das zu stressig, kann man aber auch mal einen verschieben.

Generell lässt sich der Zeitaufwand mit einem Teilzeitstudium vergleichen. Ihr solltet pro Woche mit 10 bis 20 Stunden an Arbeit rechnen, auch wenn es ohne Assignments mal lockerer sein kann. Oder eben härter, wenn gleich drei anstehen.

Hier seht ihr einen kleinen Ausschnitt aus meinem Sci-Fi-Level in der Unreal Engine 4.

Fernstudium vs. Studium vor Ort

Der klare Vorteil des Fernstudiums: Ich bin sehr frei in meiner Organisation. Mir steht das gesamte Programm des Trimesters bereits am Anfang offen. Ich kann also jederzeit vorarbeiten oder mal eine Pause machen. Prüfungen lege ich mir vor der Deadline so, wie sie mir in den Alltag passen.

Hinzu kommt eine entspannte Lernumgebung: Ich kann in Ruhe zuhause an meinen Projekten arbeiten und muss mich nie durch den Verkehr kämpfen oder über langsame Uni-PCs fluchen.

Es gibt aber natürlich auch Nachteile: Zum einen muss man eben doch sehr selbstständig und diszipliniert arbeiten. Zum anderen ist es nicht gerade einfach, Kontakte zu knüpfen oder gemeinsame Projekte hochzuziehen. Es ist halt doch etwas anderes, ob man immer mal wieder chattet, aber sich eigentlich am anderen Ende der Welt befindet oder wirklich jeden Morgen gemeinsam im Vorlesungssaal hockt.

Weil gerade Kontakte in diesem Bereich sehr wichtig sind, würde ich deshalb jedem mit einem Fernstudium raten, sich trotzdem darum zu bemühen. Schreibt euren Fernuni-Kollegen so oft wie möglich oder besucht Workshops und Events rund um Gaming und Spieleentwicklung in euerer Nähe, um Gleichgesinnte zu treffen und womöglich Job-Chancen zu ergattern.

Auch dieser kleine Droide ist für das Studium enstanden.

Welchen Abschluss bringt das Fernstudium?

Am Ende des Studiums halte ich ein Associate Diploma in der Hand. Das ist kein Bachelor, wird in vielen Ländern aber als akademischer Abschluss anerkannt.

Es gibt ihn zum Beispiel in den USA, in Kanada oder in den Niederlanden. In Deutschland wird er nicht als Studienabschluss anerkannt, kann aber beispielsweise den Zugang zu einer Hochschule eröffnen. Da der Großteil der Industrie außerhalb des Landes liegt und es bei kreativen Studiengängen ohnehin auf die Mappe und damit die praktische Qualifikation ankommt, stört mich das aber nicht weiter.

Bei der Bewerbung zählt letztlich was man kann. Sind die eigenen Arbeiten herausragend, wird kein Entwickler die Zusammenarbeit am fehlenden Bachelor scheitern lassen. Wenn doch, sollte er vielleicht seine Prioritäten überdenken.

Fazit: Ist ein Fernstudium sinnvoll?

Zum Abschluss will ich noch einmal auf die wichtigsten Fragen und Bedenken, zum Thema Fernstudium und Gaming-Studium im Allgemeinen eingehen:

Brauche ich unbedingt ein Studium, um etwas mit Gaming zu machen?

Wie oben angesprochen: Absolut nicht. Ich bin auch Gaming-Journalistin, ohne je Journalismus studiert zu haben. Ich habe schon immer gerne und viel geschrieben und das konkrete Handwerk im Job gelernt.

Mit Game Design oder Game Art verhält es sich genauso. Macht ihr etwas ohnehin schon begeistert und mit Erfolg, könnt ihr auch allein lernen, es professionell zu nutzen, sofern ihr genug dahinter steht. Ich habe mich für ein Studium entschieden, weil ich einen gewissen Druck brauche, um produktiver zu sein und mich nicht nur auf meine Selbstdisziplin verlassen wollte. Außerdem erleichtert ein Studium das Kontakte knüpfen. Über Events und Co. geht das aber genauso

Zudem stehen online mittlerweile auch kostenlos oder für wenig Geld viele Lernmittel zur Verfügung. Ich bilde mich künstlerisch zum Beispiel über Schoolism weiter. Auf der Lernplattform bieten bekannte Künstler wie Craig Mullins Kurse zum Thema Digital Painting, Creature Design und mehr an. Oder man schaut sich einfach auf Youtube nach Tutorials um.

Gerade viel vom meinem zeichnerischen Können habe ich eher autodidaktisch außerhalb des Studiums erworben.

Ist ein Gaming-Studium sein Geld wert?

Gerade bei einem Fernstudium dürften die Zweifel groß sein. Das waren sie auch bei mir vorher. Ich bin sehr dafür, dass jede Form von Bildung kostenlos sein sollte. Das ist aber leider nicht immer der Fall. Ob sich die Investition lohn, kommt darauf an, was man selbst aus dem Gelernten macht.

Letztlich kann man aus jedem Studium (egal ob vorort oder nicht) überhaupt nichts oder enorm viel mitnehmen. Ist man faul, lässt nach dem Mindestaufwand den Stift fallen und möchte alles vorgekaut bekommen, nützt auch das teuerste Studium nichts. Investiert man aber von sich aus über die Pflichtaufgaben hinaus Zeit und Mühe, lohnt es sich definitiv.

Bei meinem Fernstudium ist mir positiv aufgefallen, dass die Dozenten sich sehr bemühen. Sie geben ausführliches persönliches Feedback, organisieren Video-Konferenzen und fördern besonders engangierte Studenten. So etwas kann dann tatsächlich entscheidende Vorteile bringen, die man allein nicht gehabt hätte.

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Das Studium muss zu euch passen

Das klingt sehr simpel und offensichtlich, stimmt aber einfach. Ich habe schon viele Studiengänge angefangen, die nicht zu mir gepasst haben. Jura zum Beispiel oder Medieninformatik. Immer hatte ich das Gefühl, meine Zeit zu verschwenden. Jetzt mache ich das, was ich machen will und investiere gerne so viel Zeit und Arbeit wie möglich.

Genau das ist der Grund, warum sich das Studium für mich definitiv lohnt. Ich lerne, weil es mich begeistert. Bevor ihr ein Studium dieser Art anfangt, solltet ihr euch deshalb auch ausgiebig mit der Materie auseinandersetzen und euch fragen, ob ihr das wirklich wollt. Seid ihr jemand, zu dem ein Studium als Lernumgebung passt? Spielt ihr nur gerne Spiele oder wollt ihr sie auch wirklich entwickeln? Was genau wollt ihr bei einem Spiel machen? Würde es euch stören, vielleicht in einem anderen Land arbeiten zu müssen? Oder als Freiberufler? … und so weiter. Dann steht eurer Gaming-Karriere hoffentlich nichts mehr im Wege!

Ross Draws kostenlose Digital Painting Masterclass auf Youtube

Über Elena Schulz

Freiberufliche Journalistin und Künstlerin. Liebt Dinosaurier, den Weltraum, Batgirl, das Meer und alles was mit Videospielen zu tun hat. Eigentlich immer ein bisschen verwirrt.

5 Kommentare zu “Elena erzählt: Game Art als Fernstudium – lohnt sich das?

  1. Hai, danke für diesen kleinen Einblick, ich hatte mich tatsächlich schon gefragt wie man ohne einen Lastwagen voll Geld hierzulande an so einen spannenden Studiengang kommt 😀 ich beneide dich ein bisschen um das Fernstudium, das hätte mir ganz klar besser gelegen, aber auf die Idee muss man erstmal kommen, und die 12.000€ sind natürlich auch noch ordentlich wenn man noch nicht arbeitet.
    Die Wege in die Games-Branche sind immer noch viel zu kompliziert und undurchsichtig, ich hoffe sehr, dass sich da in Zukunft gerade in Deutschland noch einiges tut. Aber es freut mich sehr, dass du da das richtige für dich gefunden hast 😀 falls du mal bei einem Projekt nicht die richtigen Kontakte zusammenbekommst und Unterstützung beim Design von Spielmechaniken oder bei der Programmierung brauchst kannst du mich gerne auf Twitter anhauen ^-^

    1. Huhu, danke für den Kommentar! 😀 Ja ohne Arbeit hätte ich mir das auch nicht leisten können. Aber vielleicht ist es ja was für die Zukunft? Der Studiengang richtet sich vor allem an Berufstätige, deshalb der Teilzeit-Aspekt.

      Das hoffe ich auch, solche Studiengänge sollte es idealerweise kostenfrei an regulären Unis hier geben, mich erschreckt immer wieder wie rückständig man da teilweise bei manchen Fächern ist, meine Uni hier in München bietet selbst kaum was zu Filmen/Medien an und beschäftigt sich fast ausschließlich mit klassischer Literatur.

      Vielen Dank! Darauf komme ich vielleicht zurück, tatsächlich ist der Programmier-/Game-Design-Part durch den Art-Fokus kaum ausgeprägt da. ^^

  2. Hey!

    Super spannend. Ich hab mich letztes Jahr auch für einen Fernstudiengang entschieden, als ich das Gefühl hatte, dass es ohne Stuienabschluss beruflich nicht weiter geht. Allerdings hier in Deutschland. Preise liegen da für einen Bachelor auch so um die 10.000€ und bei mir läufts an festen Samstagen online – quasi live. Man lernt also auch mal die Gesichter der Kommilitonen kennen. Auf die Idee bei der Recherche nach einer passenden Hochschule mal ins Ausland zu gucken bin ich (leider) gar nicht gekommen.

    Du hast es ja schon erwähnt, dass Bildung frei sein sollte. Sehe ich genauso. Aber für die jenigen, denen die Summe so hoch erscheint: Ich hab lange mit mir gehadert, ob ich das zahlen will/kann. Die Alternative an einer Uni normal zu studieren wäre deutlich teurer gewesen.
    An der Fernuni ist der Unterricht halt so ausgelegt, dass man nebenher noch eine 40-Stunden-Woche arbeiten kann. An der Uni in meiner jetzigen Heimatstadt finden die Vorlesungen gerne mal gesplittet über den Tag statt (2 Stunden morgens, zwei am frühen Nachmittag). Da ich einen Job habe, der kaum Flexibilität bei Arbeitsstunden bietet, hätte ich diesen aufgeben müssen. Und wenn man dann noch eine Wohnung oder Zimmer und die restlichen Lebenshaltungskosten stemmen will, wäre zumindest ich bei einer fast 4x so hohen Summe angekommen. Oder ich hätte zurück zu Mama ziehen müssen ^^
    Fernstudium klingt zwar immer teuer, wenn man aber schon im Berufsleben steht, kann es eine tolle und bezahlbare Sache sein.

    1. Huhu,

      schön hier von dir zu lesen! 😀 Das ist ja cool, darf ich fragen, was du studierst? (Was das Gefühl angeht, geht es mir ähnlich, ich hab auch ein bisschen den Druck gespürt, obwohl ich eigentlich schon gearbeitet habe).

      Die Live-Sessions klingen cool, wir haben das auch ab und zu gemacht, aber das war bisschen schwieriger mit der Kanada-Zeit (zumindest für mich, die meisten an der Fernuni kommen lustigerweise sogar irgendwo aus Kanada).

      Deine Punkte verstehe ich sehr gut, ich merke das auch bei meiner normalen Uni. Die Vorlesungen liegen oft sehr ungünstig. Zu meinem Freelancer-Job passt das, aber mit nem normalen ginge es gar nicht, außer man macht Teilzeit und schiebt irgendwelche Schichten rum, aber das geht ja auch nicht überall. Gerade als Berufstätiger kann man sich ja aussuchen, wo man sein Geld investiert, da ist das auf jeden Fall eine super Möglichkeit – wenn auch nicht ideal. Aber ich finde es deutlich besser als 18-Jährige auf irgendwelche teuren Unis schicken zu müssen, die sich die letztlich nur verschuldet oder mit Elternhilfe leisten können.

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