The Dragon Prince: Ein würdiger Erbe für Avatar

The Dragon Prince ist genau wie Avatar: The Last Airbender ein zauberhaftes Fantasy-Abenteuer voller spannender Charaktere – auch wenn sie manchmal ein bisschen dumm sind.

Fast schon klammheimlich ist The Dragon Prince oder Der Prinz der Drachen letzte Woche auf Netflix erschienen. Nicht einmal auf die Startseite hat es die Animationsserie geschafft. Eine Schande! Denn The Dragon Prince ist das neue Werk von Wonderstorm, die schon an Avatar: The Last Airbender mitgewirkt haben. Außerdem kann die charmante Fantasy-Serie auch ziemlich gut für sich stehen.

Obwohl wieder Elementar-Magie im Fokus steht, erschafft The Dragon Prince merklich eine eigene Welt mit ihrer eigenen Geschichte und Figuren. Die bringen mindestens genauso viel Potenzial wie Aang, Korra und Co. mit. Einziges Manko: Manchmal hat man das Gefühl die Helden entscheiden zugunsten des Plots und weniger aus gesundem Menschen- oder Elfenverstand.

Ich versuche große Spoiler zu vermeiden, werde im Review aber ein paa Dinge verraten müssen. Wollt ihr wirklich gar nichts wissen, solltet ihr die Serie vor dem Lesen anschauen. Alle neun Episoden der ersten Staffel findet ihr auf Netflix.

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Comic trifft 3D

Zunächst einmal zur Optik: Der comichafte Look der Figuren und die malerischen Hintergründe erinnern auf den ersten Blick sehr an Avatar. Sie haben aber ihren eigenen Touch. Das liegt wohl nicht zuletzt am Künstler CTCHRYSLER, an dessen Stil sich die Serie orientiert. Zudem handelt es sich um eine 3D-Animation: Aber keine Sorge, The Dragon Prince sieht trotzdem überraschend hübsch aus.

Kein Vergleich mit der neuen Berserk-Serie, die ich persönlich sogar aufgrund ihres Uncanny-Valley-3D-Stils abbrechen musste. Nur die ein oder andere Animation sieht manchmal etwas steif aus. Das könnte aber auch Zeit- oder Budgetgründe haben.

Avatar mit Drachen und Elfen

Kommen wir zur Geschichte: The Dragon Prince spielt im Königreich Katolis und dem magischen Nachbarreich Xadia. In dem gab es ursprünglich sechs Quellen für Magie: Sonne, Mond, Sterne, Erde, Ozean und Himmel. Allerdings entdeckten die Menschen eine neue Form von Magie, die dunkle Magie. Deshalb wurden sie aus Xadia verbannt und die Grenze fortan vom König der Drachen bewacht. Daraus resultierte ein Krieg, in dem es den Menschen gelang, den Drachen zu erschlagen und sein Ei – den Prinz der Drachen – zu vernichten.

Nun holen die Elfen aus Xadia zum Gegenschlag aus. Sie schicken Mondschattenelfen-Assassinen, um König Harrow aus Rache zu töten. Hier setzt die Handlung der ersten Episode ein, in der wir Prinz Ezran und seinen Halbbruder Callum begleiten. Mit dabei ist auch eine eigenartige Mischung aus leuchtender Chameleon-Kröte und Bulldogge namens Bait. Verrückte Tiere konnte ja auch Avatar immer gut.

Elfen und Menschen sind in der Serie verfeindet. Die Mondschattenelfen nutzen die Magie des Mondes und sind bei Vollmond fast unbesiegbar.

Der König wird vom nahenden Angriff der Elfen gewarnt, weil die junge Assassinin Rayla aus Barmherzigkeit einen menschlichen Soldaten verschont. Er will deshalb, dass seine Söhne den Palast schnellstmöglich verlassen. Rayla wird derweil von der Gruppe ausgeschlossen, will sich aber unbedingt beweisen und macht sich allein ins Schloss auf. Dort trifft sie natürlich auf die beiden Brüder.

Will sie sie zuerst erledigen und jagt sie deshalb, machen die drei wenig später eine schockierende Entdeckung im Keller des Palastes: Das Ei des Drachenprinzen wurde nicht zerstört! Der zwielichtige Berater des Königs, Viren, hatte es für seine dunkle Magie gestohlen. Die drei ungleichen Reisegefährten (pardon, vier, die Kröte!) machen sich also auf, um das Ei seiner Mutter zurückzubringen und den Frieden wiederherzustellen.

Sympathische Helden…

Was folgt ist eine klassische Reisegeschichte: Weil Menschen und Elfen bislang verfeindet waren, müssen die drei erste lernen, einander zu vertrauen. Mit der Zeit kommen sie sich näher und entwickeln eine zarte Freundschaft. Ernste und humorvolle Momente wechseln sich dabei wie schon in Avatar gekonnt ab: Mal zeigt die sonst knallharte Rayla wie unsicher sie eigentlich im Inneren ist, mal grillt der Anfänger-Magier Callum sie aus Versehen fast mit einem Blitzzauber, den er nicht richtig gelernt hat und lässt ihre Haare im wahrsten Sinne des Wortes zu Berge stehen.

Rayla als die ernste Kriegerin mit einer düsteren Vergangenheit, Callum als der gutherzige Held und Ezran als der niedliche Junge samt Comedy-Sidekick-Haustier ergänzen sich in jedem Fall sehr gut als Heldenteam.

Die frisch aufkeimende Freundschaft der Figuren erinnert oft an Aang, Katara und Sokka.

… und Schurken

Währenddessen spielt sich noch eine zweite Handlung im Stil von Game of Thrones ab: Viren intrigiert nach dem Verschwinden der Prinzen fleißig, um die Macht im Schloss für sich zu sichern. Er schickt deshalb seine beiden Kinder, Soren und Claudia, auf eine angebliche Rettungsmission. In Wahrheit sollen sie die beiden aber ausschalten und das Ei an sich bringen. Viren manipuliert währenddessen immer wieder geschickt die anderen Figuren im Palast. Wie zum Beispiel die Tante der Prinzen, um sich als Retter und engsten Vertrauten des Königs zu inszenieren, während er nach Macht giert. Besonders interessant an den drei ist, dass sie nicht wie typische Bösewichte wirken.

Selbst Viren, bei dem es noch sehr eindeutig ist, hat Momente, in denen man ihn fast mögen will – zum Beispiel wenn er den König anfleht, sich zu verstecken, um nicht ermordet zu werden. Oder wenn er am Grab der verstorbenen Königin trauert.

Seine Kinder wirken wiederum eher wie Prinz Zuko aus Avatar, der ja durchaus nachvollziehbare Motive hatte. Claudia ist eine begabte Magiern, die immer leicht weltfremd und fröhlich wirkt. Sie ist zudem ursprünglich das heimliche Love Interest von Callum. Soren wiederum trainiert Callum im Schwertkampf. Er wirkt wie ein typischer Aufschneider-Teenager, scheint das Herz aber auch am rechten Fleck zu haben.

Beide wollen aktuell vor allem ihrem Vater gefallen und glauben daran, das Richtige zu tun, wenn sie die Menschen vor den Elfen und Drachen schützen. Umso gespannter bin ich, wie das Aufeinandertreffen der fünf in Staffel 2 aussieht und ob vielleicht der ein oder andere doch noch die Fronten wechselt.

Soren und Claudia übernehmen die Rollen der Antagonisten, wirken aber nicht wirklich böse.

Lügen haben kurze Beine

Das Jagen und gejagt werden funktioniert als Geschichte in der ersten Staffel aber zumindest schon einmal sehr gut und baut ordentlich Spannung auf. Kommen wir jetzt aber zu dem, was mich stört. Ich habe mitunter das Gefühl, dass die Charaktere vor allem für die Geschichte handeln. Sie tun nicht, was man in dieser Situation tun würde, sondern was das interessanteste Ergebnis verspricht.

Beispielsweise treffen Callum, Ezran und Rayla auf die Tante der Prinzen, die vorher schon als guter Mensch etabliert wurde – wenn auch als jemand, der Elfen hasst. Trotzdem wäre es wohl das Sinnvollste es mit der Wahrheit zu probieren, als sie die drei aufgreift. Stattdessen inszeniert Callum eine ziemlich bescheuerte Entführung und tut so, als wäre Rayla eine kaltblütige Mörderin. Dabei hatte er sogar das Drachenei bei sich, was eine glaubhafte Erklärung dafür ist, warum eine Elfe plötzlich den Menschen gegenüber friedlich gesonnen ist.

Aber dann hätten sie vermutlich eine Eskorte nach Xadia bekommen oder die Tante selbst hätte die Verantwortung übernommen. Zudem brauchen die Erzähler die Stelle, damit Rayla Callum danach erzählen kann, wie sehr sie es hasst, dass man sie als Monster sieht. Obendrauf wird sie auch noch angeschossen und verliert ihren Zopf, was später noch wichtig wird. Allerdings hätte man all das auch erreichen können, wenn Callum es mit der Wahrheit versucht, aber seine Tante ihm schlichtweg nicht glaubt. Zumindest für mich wäre das ein deutlich nachvollziehbareres Szenario. Schließlich hätte Rayla beim albernen Schauspiel auch getötet werden können.

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Ganz schöner Eiersalat

Ganz ähnlich spielt es sich auch bei der Flucht aus dem Palast ab: Die Helden halten das Drachenei in den Händen und wollen es den Mondschattenelfen zeigen, um das Attentat auf den König zu verhindern. Dann brechen sie aber doch lieber sofort auf, um es nach Xadia zu bringen. Ich verstehe die Eile durchaus, allerdings hätte man meiner Meinung nach zumindest einen richtigen Versuch unternehmen können.

Zwar hätte Viren den womöglich unterbunden, allerdings waren ja auch zahlreiche Soldaten, Elfen und der König anwesend. Deshalb hätte man durchaus davon ausgehen können, dass man ihnen das Ei zeigen oder gar übergeben kann, um den Frieden zu sichern, ohne dass es Viren verhindern kann. Stattdessen schreit Callum Viren nur kurz an, dass er das Ei habe und wird prompt mit einem Schweigezauber bestraft – da hätte man cleverer vorgehen können.

Aber solche Momente bleiben zum Glück die Ausnahme. Mein besonderes Highlight war übrigens etwas seltsam: Raylas Akzent. Ganz dem Fantasy-Klischee entsprechend sprechen die Elfen mit einem englischen oder schottischen Akzent, während die Menschen (ihrer Stimme nach) amerikanischer Herkunft sind. Allerdings klingt Raylas schottischer Einschlag so eigenartig (und verändert sich auch noch ständig), dass ich erst einmal überhaupt googlen musste, was sie denn nun spricht. Das mag der ein oder andere als störend empfinden, ich fand es aber eigentlich ganz charmant. Man weiß ja ohnehin nicht so genau wie Elfen sprechen hierzulande.

Was ist mit Raylas Stimme los?

Über Elena Schulz

Freiberufliche Journalistin und Künstlerin. Liebt Dinosaurier, den Weltraum, Batgirl, das Meer und alles was mit Videospielen zu tun hat. Eigentlich immer ein bisschen verwirrt.

2 Kommentare zu “The Dragon Prince: Ein würdiger Erbe für Avatar

  1. Hey, ich hatte irgendwie gar nicht bemerkt, dass da am gleichen Tag noch ein anderer Post rauskam! 😀 Jetzt habe ich ihn aber gelesen, und ich muss sagen, einige der Punkte sind mir gar nicht so ins Auge gefallen, dafür habe ich mich an anderen deutlich mehr gestört. Vor allem Virens „Intrige“ fand ich ganz furchtbar inszeniert, weil daran nichts „geschickt“ oder „trickreich“ war und selbst in der Serie deutlich wurde dass ungefähr jede einzelne Person im Königreich seine Absichten von Anfang an durchschaut. Und trotzdem gelingt sein Plan und er übernimmt das Kommando, obwohl weder Volk, noch Militär, noch Priesterschaft, noch die Thronfolger, noch überhaupt irgendjemand ihn unterstützt (selbst seine Kinder sind ja bereits etwas skeptisch, wenn sie ihm auch im Moment noch treu sind). Selbst mit schwarzer Magie auf seiner Seite ist es völlig unrealistisch, dass er nicht direkt wieder von irgendjemanden abgesägt wurde.

    Davon abgesehen hat mir die Serie bislang wirklich gut gefallen, finde auch dass die Heldentruppe eine tolle Dynamik hat und die Charaktere sind auch alle angenehm vielschichtig für den Rahmen einer eher kleinen Serie. Freue mich auf jeden Fall auf die nächste Staffel, und hoffentlich gibt es in Zukunft noch einen etwas glaubwürdigeren Bösewicht 😀

    1. Ja das stimmt. Ich fand die Idee an sich cool politische Machtspiele mit einfließen zu lassen, allerdings hätte sich Viren wirklich geschickter anstellen können. 😀 Oder alle hätten nicht so offensichtlich skeptisch reagieren dürfen. Wobei Amaya ja anscheinend doch irgendwie überzeugt war oder zumindest zu viel Vertrauen in ihren Berater hatte, wenn sie ihn schon allein mit Viren zurücklässt.

      Absolut, bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht. 🙂 Vll kommt Viren ja noch aus sich raus und wird ein bisschen böser. Oder Claudia dreht durch. xD

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