Elena erzählt: „Du machst das doch aus Leidenschaft!“

Zeichnung eines Papageientauchers

Leidenschaft wird in der Kreativ-Branche gerne damit verwechselt, dass man auch mal etwas umsonst machen kann. Genau das sollte man aber auf keinen Fall tun.

Leidenschaft ist mitunter ein zweischneidiges Schwert: Ich neige durch sie manchmal dazu, mir mehr aufzuladen, als es mir gut tun. Hier noch etwas zeichnen, dort noch etwas schreiben, ein kleines Projekt geht schon noch. Gerade als Freiberufler ist das verführerisch. Weil man keine festen Arbeitszeiten hat, kann man im Prinzip immer arbeiten – auch wenn man es der eigenen Gesundheit zuliebe nicht tun sollte.

Aber mir macht das alles schließlich großen Spaß. Bei mir fallen eben ausgerechnet meine Begeisterung und mein Job zusammen, was nicht bei jedem so sein muss. Mein Hobby ist mein Beruf und umgekehrt. So fühlt es sich manchmal nach unzähligen Stunden noch wie etwas an, das ich gern tue. Dabei würde manch anderer an diesem Punkt wahrscheinlich schon die Excel-Tabelle auf seinem Büro-Bildschirm anschreien. Genauso wie jemand anderes vielleicht pfeifend vor seiner Tabelle sitzt, während ein Designer wütend Photoshop deinstalliert, weil er keine Lust mehr hat. Wo die Leidenschaft liegt, ist schließlich bei jedem anders.

Neben dem freiwillig hohen Arbeitspensum, kann die Leidenschaft für den Job aber noch ein ganz anderes Problem mitbringen: Man sieht ihn nicht mehr als Arbeit. Was in der Theorie wie etwas Schönes klingt, wird in der Praxis oft schnell zum Problem – zumindest wenn der Kunde das weiß und ausnutzt. Ich arbeite freiberuflich aktuell als Journalistin und Designerin, beziehungsweise Illustratorin. Bei ersterem gibt es keine Probleme, vermutlich weil „Schreiben“ – mit Leidenschaft oder ohne – von den meisten selbstverständlich als Arbeit wahrgenommen wird. Man tut es in der Schule, in der Uni oder im Büro, manchen ist es lästig, manche mögen es, aber die meisten kennen es und wissen, dass es anstrengend sein kann.

Medusa Drache von Elena Schulz
Kiskadeee/Deviantart

Hobby statt „echte“ Arbeit

Das Zeichnen und Entwerfen steht hin und wieder aber auf einem ganz anderen Blatt. Manche nehmen künstlerische Tätigkeiten in dieser Richtung immer noch wie ein Hobby wahr, etwas, das man ja ohnehin tun würde und das auch noch gerne. Also warum soll man denjenigen dafür bezahlen? Die einfache Antwort: Weil es Arbeit ist. Ich investiere meine Zeit und mein Können, das ich mir über Jahre hinweg hart erarbeitet habe in diese Aufgabe. Außerdem zeichne oder konzipiere ich ja nicht das, was ich will, sondern richte mich nach dem Feedback meines Auftraggebers. Das beinhaltet vielleicht das Erlernen oder Anwenden neuer Techniken, das Gehen von Umwegen oder generell das Verwerfen zahlreicher Entwürfe, die mir persönlich gefallen hätten. Aber hier geht es dann plötzlich nicht mehr darum, wie viel Spaß mir das doch alles macht. Hier soll ich abliefern.

Es wird Arbeit auf höchstem Niveau erwartet, ohne dass man einen Cent dafür ausgeben möchte – oder nur sehr widerwillig. Zwei Beispiele, die ich persönlich erlebt habe: Zum einen wäre da meine Schwester, die wirklich atemberaubende Bleistift-Porträts von Stars und anderen Leuten zaubert. Sie postet die Bilder anschließend auf ihrem Instagram-Account. Immer wieder hat sie mir von Leuten berichtet, die gerne Zeichnungen von ihr wollen, meistens Porträts von sich oder Freunden. Aber dafür zahlen? Natürlich nicht, sie macht das doch nur als Hobby. Aber nur, weil jemand etwas nicht hauptberuflich tut, bedeutet das nicht, dass man seine professionelle oder semi-professionelle Arbeit nicht irgendwie entlohnen muss. Immerhin handelt es sich um eine Auftragsarbeit und keinen Freundschaftsdienst.

Der zweite Fall ist mir selbst bei der Verhandlung mit einem Auftraggeber passiert. Derjenige erzählte mir viel über das Projekt und ich fragte irgendwann nach dem finanziellen Part. Darauf entgegnete er mir brüskiert, dass er mit niemandem zusammenarbeiten wolle, dem es nur ums Geld gehe. Ihm sei Teamarbeit wichtig und dass alle gemeinsam etwas Tolles schaffen. Aha. Ich bin also geldgierig, weil ich nach der Bezahlung frage, bevor ich Arbeit leiste?

Zum Weiterlesen: Was das Design der Kreaturen in Monster Hunter so fantastisch macht

Gaping Dragon von Elena Schulz
Kiskadeee/Deviantart

Dabei sein ist alles!

Und so etwas passiert leider nicht nur uns. Ich bin in zahlreichen Künstler-Gruppen auf Facebook unterwegs, in denen man viel in der Richtung mitbekommt. Sogar große Veranstalter machen es sich manchmal leicht und nutzen die Leidenschaft der Künstler dafür, sich ihre Motive zu erschleichen. Frei nach dem Motto: Dabei sein ist alles. So richtet die Gamescom für ihr Gamescomwear einen Wettbewerb aus, bei dem man T-Shirt-Entwürfe einreichen kann. Die besten Logos werden anschließend umgesetzt und im Rahmen der Messe, sowie später im Store verkauft. Und was haben die Gewinner davon? Freikarten, ein Merchandise-Paket mit dem eigenen Design oder Hotelübernachtungen. Ist das eine angemessene Bezahlung für all die Stunden Arbeit, die mit ziemlicher Sicherheit in einen guten Motiv-Entwurf fließen? Nein. Die Sieger erhalten aber weder eine Gewinnbeteiligung, noch ein Honorar. Ebenso wenig werden sie prägnant genannt oder haben irgendwelche Rechte an ihrer Arbeit.

Das Spiel Beyond Good and Evil 2 machte auf der E3 2018 wiederum durch eine Zusammenarbeit mit HitRecord von sich reden. Über das Projekt von Schauspieler Joseph Gordon-Levitt, sollen Künstler und Musiker auf der ganzen Welt die Spielwelt mitgestalten dürfen. Die Community erarbeitet die Inhalte gemeinsam und entscheidet dann auch, welche es ins fertige Spiel schaffen. Je nach Arbeitsanteil soll das Budget von 50.000 Dollar dann fair verteilt werden. Das klingt zunächst deutlich besser als beim Gamescom-Wettbewerb, allerdings erscheint mit der Betrag dann doch sehr gering. Schließlich müsste man normalerweise jedem Künstler ein gewisses Honorar zahlen, das seinen Arbeitsaufwand fair widerspiegelt. Und kann man wirklich einschätzen, wer die Bezahlung jetzt nun mehr verdient hat, wenn doch alle an einem Strang ziehen und etwas gemeinsam verwirklichen sollen? Was ist mit denen, die Werke beisteuern, die es nicht in die Endauswahl schaffen?

Hinzu kommt, dass das Team von HitRecord seine Einschätzung am Ende der Aktion veröffentlicht und die Nutzer Feedback dazu geben können, wer wie viel Geld bekommen soll. Dass sich dabei niemand an die Gurgel geht, erscheint zumindest mehr sehr unwahrscheinlich. Denn wie viel die eigene Arbeit wert ist, ist oft sehr subjektiv. Dass jeder dabei fair entlohnt wird, wirkt schwer vorstellbar – eher bekommt der das größte Stück vom Kuchen, der in der Feedback-Runde am lautesten schreit.

Einer macht es, alle verlieren

Würde Ubisoft diese Inhalte direkt bei Künstlern bestellen, müsste das Unternehmen ihnen ziemlich sicher auch deutlich mehr zahlen. So nutzt man erneut die Begeisterung der Fans, genauso wie die Gamescom, um damit Geld zu sparen. Denn wer will nicht sein Logo auf einem T-Shirt sehen? Oder seine Zeichnung auf einem Plakat in einem riesigen Triple-A-Spiel? Da drückt man schon einmal ein Auge zu, wenn es um die Bezahlung geht. Aber genau das finde ich gefährlich. Obwohl es mir persönlich in diesem Moment auch nicht so wichtig erscheint. Schließlich ist es ein unglaublich tolles Gefühl, wenn etwas, das man so liebt, auf diese Weise Anklang findet. Aber wer nur für die „Reichweite“ oder das „Dabei sein“ arbeitet, schadet sich und anderen langfristig.

Natürlich kann jeder selbst entscheiden, ob er seine Arbeit kostenlos veröffentlicht oder Geld dafür verlangt. Allerdings lässt man es damit selbstverständlich erscheinen, dass man nicht bezahlt wird. Will man doch irgendwann einmal davon leben, sieht es plötzlich schlecht aus. Denn warum sollte man für etwas zahlen, dass es bislang gratis gab? Das merkt man schon beim Widerwillen, den die Leute kostenpflichtigen Angeboten auf Webseiten entgegenbringen. Diese Artikel waren schließlich schon immer gratis im Internet! Die meisten Leute geben lieber von Anfang an einen fairen Gegenwert, als ihn auf einmal für etwas geben zu müssen, das bislang kostenlos war. Genauso, wie viele lieber ein teureres Produkt kaufen, als später eine Preiserhöhung hinnehmen zu müssen. Man weiß eben gern, worauf man sich einlässt.

Und selbst, wenn man weiß, dass man niemals Geld für seine kreative Arbeit verlangen möchte, schadet das doch anderen Künstlern. Denn wenn Künstler ihre Arbeit kostenlos anbieten, hält sich weiterhin der scheinbar selbstverständliche Glaube, es wäre nichts, wofür man zahlen muss – der andere macht das ja auch einfach so. Aber genauso wie man einen Postboten, eine Taxifahrerin, einen Anwalt oder eine Lehrerin bezahlen muss, muss man eben auch einen Künstler entlohnen, damit er seine Arbeit vernünftig machen kann. Denn nur, weil man etwas leidenschaftlich tut, tut man es nicht nur zum Spaß. Oder würde man einem Lehrer den Lohn streichen, nur weil er gerne Kinder unterrichtet?

Wenn ihr mehr von meinen Zeichnungen sehen wollt, findet ihr sie unter @Kiskadeee bei Deviantart oder Instagram.

Zum Weiterlesen: Meine Zeichentipps für Anfänger

Aladdin Basar von Elena Schulz
Kiskadeee/Deviantart

Über Elena Schulz

Freiberufliche Journalistin und Künstlerin. Liebt Dinosaurier, den Weltraum, Batgirl, das Meer und alles was mit Videospielen zu tun hat. Eigentlich immer ein bisschen verwirrt.

7 Kommentare zu “Elena erzählt: „Du machst das doch aus Leidenschaft!“

  1. Hey Elena,

    ich schreib mal in der „Du“-Form da der Artikel auch so formuliert ist. Grundsätzlich stimme ich in ein paar Beschreibungen zu allerdings bin ich bei Deinen Folgerungen anderer Meinung.

    Künstlerische Tätigkeiten waren jeher schlecht bezahlt und nur eine ganz kleine Anzahl an der Spitze konnte gut davon leben. Genauso ist das mit Schauspielern, Musikern, Buchautoren und anliegende Bereiche. Und das nicht erst seit kurzem sondern schon seit Jahrzehnten.

    Das liegt aber an dem überwiegend großen Angebot und der nicht gleichgewachsenen Nachfrage. Du hattest schon beschrieben dass viele Künstler das umsonst machen. Das ist ein Faktor der den Markt kaputt macht und zusätzlich bestehen die oben genannten Gründe.

    Bei der Bezahlung wird vorwiegend im selbstständigen Bereich in der realen Welt leider nicht nach eigenem Arbeitsaufwand sondern nach Marktpreisen bezahlt. Eine ähnliche Situation ist in der Spielebranche, bei Philophen und bei Krankenschwestern oder Altenpflegern der Fall.

    Sollten diese höher bezahlt werden? Meiner Ansicht nach ja aber die „kapitalistische marktwirtschaftlichen Weltordnung“ funktioniert so nicht. Da kann man sich darüber aufregen aber kurz- bis mittelfristig hilft es nichts. Und so lange das Angebot an willigen Arbeitskräften in dem Sektor nicht fällt oder die Nachfrage steigt wird sich nicht viel daran ändern. Spieleentwickler beispieslweise in Berlin haben da übrigens ähnliche Probleme …

    Davon abgesehen ist der Ratschlag das man das machen soll wo die Leidenschaft ist weitgehend nicht passend. Es ist eher andersrum dass man da wo man schon gut ist ist den eigenen „Arbeitswert“ (Career Capital) steigert und anschliessend man es gut kann auch entsprechend hohe Beträge verlangen kann. Wenn man in dem Bereich kompetent ist und viel Zeit reingesteckt hat kommt die Leidenschaft.

    Bei überlaufenen künstlerischen Berufen ist es allerdings wie schon angesprochen noch schwieriger an die „Spitze“ zu kommen so dass man davon gut leben könnte.

    Deine Kritik zu den Wettbewerben in dem dann ein kleiner Preis verteilt wird kann ich nachvollziehen. Gamepro und Gamestar machen es aber genauso mit den Wettbewerben über „Leserartikel“ die dann einen GOG-Gutschein für den/die „Besten“ verlost. Das hattest Du als weiteres Beispiel übersehen 😉

    Ich empfehle Dir die Bücher von Cal Newport („So good they can’t ignore you“ und „Deep Work“) genauer anzusehen. Diese haben mir selber sehr mit den Hintergründen geholfen. Zusätzlich gibt er in seinem Blog immer wieder wissenschaftlich fundierte Tipps über die Hintergründe (z.B. http://calnewport.com/blog/2018/06/30/on-passion-and-its-discontents/ ).

    Allgemein empfiehlt sich beruflich erst das zu machen was „selten und wertvoll“ auf dem Markt ist. Oder was zumindest den Grundlebensunterhalt zahlt.

    Das wäre in Deinem Fall vermutlich die redaktionellen Beiträge in Spiele- und Onlinemagazinen? Deine zeichnerisch-künstlerische Ader kannst Du dann nebenher aufbauen bis Du an dem Punkt bist dass Du gut was dafür verlangen könntest.

    Davon abgesehen finde ich Deine Kunst ansprechend und schaue sie meistens recht gerne an. Bei einem gezeichneten Bild würde ich sicherlich auch überlegen dafür etwas zu bezahlen. Wenn es hingegen online hochgeladen wird wäre auch die „Einzigartigkeit“ und Indivualität nicht mehr in dem Maß vorhanden.

    1. Huhu,

      danke für den langen Beitrag, das Du ist natürlich okay! Ja, das ist leider ein Problem, das sich bei keinem dieser Berufe schnell ändern lässt. Ich würde sofort jeden Krankenpfleger besser bezahlen und jeden Investment Banker deutlich schlechter. Es ist schon ein bisschen traurig, dass man schon mit dem Wissen in solche Jobs reingeht, ziemlich sicher nicht reich und erfolgreich zu werden, aber zumindest in meinem Fall war es so, dass mir wichtiger war, etwas zu tun, was ich liebe – auch wenn ich die Risiken und Probleme kenne. Gerade als Freelancer hast du ja im Prinzip keinerlei Sicherheit.

      Zum Thema Leidenschaft: Ich meine das nicht so, dass Leidenschaft ein magischer Antrieb ist, der dich über alle Hürden hinweghebt. Das ist tatsächlich Quatsch. Wenn du nur Leidenschaft mitbringst und keinerlei Bereitschaft zu Arbeiten, bist du schnell weg aus jedem kreativen Job (und vermutlich auch aus jedem anderen). Ich habe da neulich auch irgendwo einen spannenden Artikel gelesen, erinnere mich gerade aber leider nicht mehr an die Quelle. Leidenschaft ist für mich mehr eine Art Katalysator, der dir hilft, nicht aufzugeben. Die Spieleredaktion ist eigentlich ein gutes Beispiel und vermutlich auch das ein oder andere Entwicklerstudio. Wenn zum Beispiel E3 ist und du zig Überstunden vor dich hinschiebst oder einen langen Test in kurzer Zeit schreiben musst, dann war es zumindest in meinem Fall so, dass mir meine Leidenschaft für die Arbeit die nötige Power gegeben hat, das durchzuhalten ohne mich völlig fertig zu fühlen. Sie hat mir den Ehrgeiz gegebem, dass ich zu später Stunde nicht nur was hinrotzen wollte, sondern trotzdem etwas Gutes schaffen wollte, weil es mir eben etwas bedeutet und ich mich sehr stark über meine Tätigkeit identifiziere. Allerdings hängt das wahrscheinlich von der eigenen Interpretation ab. Man kann es ja genauso sehen, dass ich halt eine Leidenschaft für Spiele habe und gute Schreibarbeit leiste, wodurch dann auch die Leidenschaft für die Arbeit in der Redaktion aufkam – das Fundament meines Könnens war aber schon da, dadurch, dass ich in diesem Bereich Erfahrungen gesammelt habe. Für mich ist das ein bisschen eine Huhn-Ei-Frage – hast du hart gearbeitet wegen der Leidenschaft oder empfindest du Leidenschaft, weil du hart dafür gearbeitet hast?

      So oder so, für mich ist das ein bisschen wie mit dem Talent. Ich glaube, dass es da eine gewisse Veranlagung und Begünstigung für bestimmte Dinge bei jedem gibt. Allerdings reicht Talent allein nur in den wenigsten Fällen aus. Wer wirklich gut in etwas sein will, muss immer hart dafür arbeiten, je nach Ausprägung von Begabung oder Leidenschaft, geht es nur schneller oder langsamer voran.

      Das ist in der Tat ein interessantes Beispiel, an das ich nicht gedacht habe. Für mich war das mit der Gamescom und Ubisoft prägnanter, weil man so aktiv damit geworben hat und es in einem größeren Rahmen stattfand. Ich denke unter diesem Gesichtspunkt sind alle Community-generierten Inhalte schwierig, weil die eigentlich nie so vergütet werden wie vergleichbare Arbeit bei Redakteuren. Man könnte vll anbringen, dass es keine Arbeit ist, die sonst an einen richtigen Redakteur gegeben worden wäre – Ubisoft oder die Gamescom hätten ja richtige Künstler engagieren können, während die Leserartikel nur als solche existieren können. Allerdings müsste natürlich trotzdem eine faire Bezahlung greifen, wenn man die Inhalte wie reguläre Artikel nutzt.

      Vielen Dank für den Lesetipp! Da werde ich mir mal in einer ruhigen Minute anschauen. Das stimmt natürlich und das mache ich ja auch ein Stück weit. Meine Haupteinnahmen kommen weiterhin durch Schreibaufträge von der GameStar und anderen Magazinen, das Zeichnen ist etwas, das ich mir nebenher langsam aufbaue, auch weil ich mittlerweile einfach viel mehr Erfahrung im Schreiben gesammelt habe, zumindest auf der professionellen Seite. Einfach aus Leidenschaft Künstler zu werden und sich keinerlei Sicherheiten aufzubauen, halte ich auch nicht für klug, weil die Wahrscheinlichkeit einfach wahnsinnig gering ist, dass man sofort durchstartet.

      Danke sehr! Entsprechende Aufträge lade ich auch nicht hoch, beziehungsweise spreche das mit Kunden ab, bevor ich sie in ein Portfolio packe. Zumal man als Käufer selbstverständlich als einziger über die Rechte verfügt, das Bild zu verwenden, wenn das entsprechend vorher so abgeklärt wurde.

  2. Moin,

    ist schon ne Weile her dass ich hier geschrieben habe…
    Danke dir Elena für diesen Einblick in das Künstlerleben. Das ganze ist ein Problem, das die meisten Kreativschaffenden haben, und mit dem man auch oft konfrontiert wird, wenn man sich damit befasst. Ich kann mich deinen Ausführungen auch nur voll und ganz anschließen: Wenn man Zeit in etwas investiert, das man nicht allein für sich selbst macht, dann ist es immer Arbeit – egal, wie viel Spaß man dabei hat. Spaß an dem was man tut sollte niemals als ein Faktor dafür gewertet werden, dass die Arbeit deswegen weniger wert ist. Insofern stimme ich der Kernaussage und dem Aufruf an Künstler auch zu: Lasst euch für eure Arbeit bezahlen. Macht nicht einfach irgendwas umsonst.

    Trotzdem möchte ich hier vielleicht nochmal eine andere Perspektive einbringen. Ich entwickle derzeit mit einem Team von Leuten ein Pen and Paper Regelwerk, samt zugehörigem, mehrere hundert Seiten dicken Buch. Für so ein Buch braucht man natürlich auch Illustrationen, um irgendwen zu erreichen. Nun sind wir alle Studenten, unsere finanziellen Mittel sind sehr begrenzt, und Pen and Paper ist nicht der riesige Markt, dass man jetzt mal über Kredite in Künstler investieren könnte in der Hoffnung, über zukünftige Einnahmen wieder positiv rauszukommen. So haben wir also einen Kompromiss gesucht und uns für einige große, wichtige Zeichnungen (z.B. das Cover) entschieden, die wir bei einem befreundeten Illustrator zu einem Freundschaftspreis (v.a. Materialkosten) erstellen lassen konnten, und die wir im Endprodukt gegen eine kleine Gewinnbeteiligung des Künstlers verwenden dürfen.
    Alle weiteren Illustrationen entstehen auf rein freiwilliger Basis bei Freunden, die sich dafür interessieren. Wir wissen, dass wir nichts zu bieten haben – wir können den Künstlern als Gegenwert nichts weiter als eine Print-Ausgabe des Buchs und eine Namensnennung versprechen. Das ist eigentlich verdammt schade, denn bei uns im Team sind alle hin und weg von der Kreativität und dem Aufwand, der in jedes Werk fließt, und wir würden gerne die Leute vernünftig für ihre Arbeit bezahlen. Leider können wir das im Moment nicht, aber niemand von uns nimmt auch nur eine einzige Zeichnung für selbstverständlich, und niemand ärgert sich, wenn auch Freunde nicht unbezahlt für uns zeichnen wollen.

    Ein Erlebnis hatten wir aber dann doch, was uns etwas irritiert hat: eine Freundin hatte sich eben bereit erklärt, wenn sie Zeit und Lust hat mal etwas für uns zu zeichnen, zur besagten Gegenleistung – Namensnennung und ein Exemplar am Ende. Drei Tage später meldete sie sich dann zurück und meinte, als sie einigen Künstlerfreunden davon erzählt hat, drohten die ihr, dass sie für niemanden umsonst arbeiten dürfte, da sie sonst die Arbeit aller Künstler gefährde, und gaben ihr das Gefühl dass sie sich nicht mehr blicken lassen dürfte, wenn sie uns hilft.

    So sehr ich auch die Motivation dahinter verstehe, finde ich es schade, wenn das so weit geht, dass jemandem vorgeschrieben wird, wo er sich künstlerisch einbringen darf. Im Endeffekt sollte immer noch jeder Künstler selbst entscheiden dürfen, ob und zu welchen Konditionen er sich in ein Projekt einbringen will. Ja, man sollte niemals den Eindruck, die Selbstverständlichkeit erwecken, dass eine geringe oder keine Bezahlung für die Arbeit angemessen ist. Man sollte klar machen, dass das eine Leistung ist, die man aus Freundschaft, im Hinblick auf die aktuelle Situation und auch nur dieses mal macht, und was eben sonst dazugehört. Aber man sollte als Künstler immer noch entscheiden dürfen, sich eben etwas nicht nach Branchenstandards bezahlen lassen zu dürfen – umso mehr, wenn man weiß, dass die „Auftraggeber“ überhaupt nicht die Mittel hätten, diese Bezahlung aufzubringen, und man demnach auch niemandem den Job dadurch streitig macht.

    Wie gesagt, ich sehe, dass das immer ein bisschen ein Zweischneidiges Schwert ist, und dass man sich da sehr vorsichtig bewegen muss, um keine falschen Eindrücke zu hinterlassen. Ich finde nur, dass auch diese Perspektive zu einem vollständigen Bild des Themas irgendwie dazugehört – im Endeffekt sollen Menschen frei entscheiden können, was sie tun, für wen sie es tun, und was sie dafür wollen. Es ist nur gut, wenn sie dies auf einer informierten, umfassenden Grundlage tun und wissen, welche Auswirkungen ihre Handlungen wo haben können, und auf welchem Stand die Beteiligten sind. Und es sollte vor allem immer auch vom Auftraggeber abhängen: Egal wie klein und unbekannt du als Künstler bist, wenn ein großer Publisher, der Millionen in Marketing investiert, dir als Gegenleistung für eine eingeschickte Grafik für ein Spiel, das sich mindestens hunderttausende Male verkaufen wird, gerade mal nen Bruchteil eines kleinen Gewinntopfs und die Namensnennung in den Credits anbietet – dann bist du sehr wahrscheinlich unterbezahlt. Wenn wir als kleines studentisches Team alle zusammenlegen und noch vertraglich ne Gewinnbeteiligung vereinbaren, um irgendwie zumindest ein paar professionelle Illus für unser Buch zu bekommen, dann tun wir was wir können. Das kann man bei dem Beispiel von Beyond Good and Evil 2 leider nicht behaupten.

    Wie siehst du das?

    Ansonsten noch zu TFK und dem Thema Career Capital:
    Ich denke, das sind einfach zwei verschiedene Herangehensweisen im Leben, und ich glaube nicht dass eine von beiden mehr oder weniger in Ordnung ist als die andere. Ich gönne es jedem von Herzen, der vernünftig Geld verdienen will, sich in eine Richtung spezialisiert, darin richtig gut wird, und dann schließlich durch Verdienst und Anerkennung seine Zufriedenheit in dem findet was er tut.
    Mir persönlich sind Geld und Anerkennung aber nur begrenzt wichtig – ich kann nicht ohne etwas von beidem leben, aber mir ist viel wichtiger, dass ich von Anfang an in jedem Moment etwas tue was mich interessiert, was mir Freunde macht, und vor allem etwas, bei dem ich mich selbst (kreativ und/oder intellektuell) ausdrücken und verwirklichen kann. Insofern steht bei mir bei der Jobwahl ganz klar der Inhalt an erster Stelle – ich tue lieber etwas, bei dem ich mir keinen supertollen Lebensstandard leisten kann, etwas mehr aufpassen muss, vielleicht auch mehr Risiken habe und von anderen manchmal verwundert angesehen, warum ich mir „das denn antue“, als etwas, das mir über Jahre hinweg keine Freude bringt.

    Wie gesagt, das sind denke ich auch einfach etwas verschiedene Lebensweisen, und das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber selbst wenn man sich ganz auf die Dinge fokussiert, die einem Spaß machen, und nicht auf das große Geld und die Vorsorge für zukünftige Generationen aus ist, sollte immer gelten: Man sollte von seiner Arbeit leben können, und man darf absolut und mit maximaler Sturheit darauf beharren, dass man für seine Arbeit auch angemessen bezahlt wird.

    Grüße,
    ~ Belethil

    1. Huhu,

      vielen Dank für den langen uns interessanten Beitrag. Du hast völlig recht, dass es da zwei Seiten gibt. Plötzlich jedem Künstler einen Mindestpreis vorzuschreiben, ist definitiv auch der falsche Weg – zumal das bei deiner Freundin so klingt, als wäre sie regelrecht bedrängt worden, was nun wirklich auf keinen Fall sein darf. Ich denke, da muss man einfach immer von Fall zu Fall entscheiden und für sich als Künstler abwägen. Ich habe auch schon Sachen umsonst gemacht, weil ich sie als einen Freundschaftsdienst gesehen habe. So etwas kommt ja auch in anderen Bereichen vor, zum Beispiel ein befreundeter Anwalt, der einen kostenlos ein bisschen rechtlich berät. Ich persönlich würde für mich einfach immer abgrenzen, ob das jetzt als Freundschaftsdienst zählt oder nicht und es davon abhängig machen, ob ich es umsonst machen kann oder nicht. Wenn dann jemand anderes kommt und mich bittet, umsonst zu arbeiten, kann ich dann ja auch klar damit argumentieren, dass es eben eine private und keine berufliche Sache war.

      Wie im Artikel auch beschrieben, kann natürlich jeder selbst entscheiden, wie weit er da geht. Kann ja auch sein, dass jemand einen festen Job tagsüber hat, aber begeisterter Maler ist und seine Bilder verschenkt, weil er nicht davon leben muss. Dem würde ich auch nicht vorschreiben wollen, Geld dafür zu verlangen, obwohl er es nicht braucht. Ich fürchte nur, dass WENN man davon leben muss, eine solche Einstellung schnell zum Problem werden kann, weil man letztendlich nicht die kostenlose Werbung oder Reichweite bekommt, die man sich erhofft, sondern im schlimmsten Fall einfach ausgenutzt wird. Im euren Fall finde ich das aber völlig legitim, weil man von vornherein weiß, worau man sich einlässt und es ein freundschaftliches Verhältnis ist. Solche Projekte zwischendurch sind dann wieder gut für das Image, weil ja auch jeder sieht, dass es da nichts zu holen gäbe, eben ein bisschen wie ein ehrenamtliches Projekt. Problematisch ist für mich, wie du ja auch sagst, nur, wenn jemand wie Ubisoft das gleiche Prinzip anwendet – denn die könnten die Künstler sehr wohl bezahlen.

  3. Belethil,

    ich glaube nicht dass es zwei Herangehensweisen ans Leben sind.

    Career Capital sind prinzipiell die Fähigkeiten, das Wissen und Können in dem entsprechenden Bereich. Um davon leben zu können muss es auf der anderen Seite auch einen Markt bzw. Personen geben die das kaufen wollen.

    Es geht auch nicht darum dass zu machen was Dir „jahrelang keinen Spass“ macht sondern die Prämisse dass die „leidenschaftsbasierte Herangehensweise“ die meisten Zeit nicht funktioniert. In dieser Geisteshaltung geben die Menschen sehr schnell auf weil es dann doch nicht mehr so lustig ist oder „hart“ wird und sie springen zum nächsten Thema. Es gibt dafür genug Beispiele.

    Die ganzen Spielzeitschriftredakteure können da sicherlich ein Lied davon singen. Das was der Leser sieht ist nur ein kleiner Teil. Den ganzen harten Hintergrund (Spielrecherche, Rumschrauben an den Texten, Gespräche mit den Anzeigekunden, …) bekommt der Leser nicht mit. Ich denke Elena könnte da sicherlich auch einiges zu dem Thema erzählen

    Letztendlich läuft es so dass man erst richtig gut werden kann und dann kann man wirklich von dem Leben was einem Spaß macht. Und nicht umgekehrt.

    Ich kenn keinen Künstler der wirklich Erfolg hatte und sein Ding durchgezogen hat ohne sehr sehr viel Zeit reingesteckt zu haben. Und die Phasen waren sicherlich kein Fun … schau Dir Adele an. Sie hat sehr sehr viel Zeit in ihren Kunst gesteckt. Unzähle Stunden. Und in der meisten Zeit wird sie keine Leidenschaft gespürt haben sondern das war ein „Durchbeissen“. Oder wie Thomas Edisson mal gesagt hat: Erfolg ist 5 Prozent Inspiration und 95 Prozent Transpiration.

    Deine Kunst als „Hobby“ zu machen ist sicherlich okay. Allerdings kannst Du Dich dann auch immer selber belügen weil Du nie wirklich am Puls der Zeit warst und gesehen hast wie die Kunst wirklich ankam.

    Und wenn Menschen hart verdientes eigenes Geld für die Kunst ausgeben ist das schon ein sehr starker Indikatur dass man gut ist. Fakebook Likes hingegen sind sehr schnell ausgeteilt und kosten nicht viel. Das ist kein wirklich kritisches Feedback wo man mit den eigenen Fähigkeiten steht.

    1. Moin TFK,

      danke fürs Präzisieren. Natürlich hast du recht, auch wenn man etwas leidenschaftsbasiert tut muss man viel Zeit und Energie reinstecken und sich wirklich durchbeißen, Rückschläge wegstecken und vieles mehr, um gut genug zu werden, dass man nicht einfach damit untergeht. Das, was man macht, auch *gut* zu machen, ist immer eine Voraussetung – egal, welche „Weltsicht“ dahinter steht. Ich hatte deine ursprüngliche Aussage nur so verstanden, dass es generell der falsche Ansatz sei, seiner Leidenschaft nachzugehen, und man lieber etwas tun solle was wirtschaftlich sinnvoll ist und dieses dann so lernen und ausbauen, dass man dennoch Spaß daran findet – und darauf bezog sich meine Aussage mit den verschiedenen Sichtweisen. Da du es offenbar so drastisch nicht gemeint hast ist mein Widerspruch damit natürlich hinfällig. 🙂

      ~ Belethil

  4. Huhu,

    danke für das fleißige Kommentieren! Ich komme gerade stressbedingt leider nicht zum Antworten, aber hole das so schnell wie möglich nach. 🙂

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